Funkgeräte für den Notfall: PMR446, CB, Freenet und Amateurfunk im Vergleich

Wenn Handynetz und Internet ausfallen, bleibt Funk. Wir zeigen, welche Funkdienste in Deutschland und Österreich anmeldefrei nutzbar sind, was Reichweite, Geräte und Lizenzen kosten — und welches Setup für Familie, Nachbarschaft und Vereinsalarm sinnvoll ist.

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Funkgeräte für den Notfall: PMR446, CB, Freenet und Amateurfunk im Vergleich

Mobilfunk ist im Stressfall das erste, was wegbricht. In den ersten Stunden eines großflächigen Stromausfalls sind die Basisstationen meist noch über USV versorgt — nach 2–8 Stunden ist Schluss. Wer dann reden will, braucht Funk: anmeldefrei und sofort nutzbar (PMR446, Freenet, CB), oder lizenzgebunden mit deutlich mehr Reichweite (Amateurfunk).

Funkdienste im Überblick

PMR446 — das Einsteiger-Set für die Familie

Midland G9 Pro PMR446 Funkgerät
Midland G9 Pro PMR446 Funkgerät

PMR446 ist der lizenzfreie 446-MHz-Bereich, EU-weit identisch. 0,5 W Sendeleistung, fest verbaute Antenne. Reichweite ehrlich: 1–3 km im Stadtgebiet, bis 5–8 km auf Hügelketten.

Perfekt für: Kommunikation Haus ↔ Garten ↔ Nachbarschaft, Kinder im Wald, Konvoi-Funk im Auto.

Empfehlung Einstieg: Midland G9 Pro* (Premium, robust, USB-C), Motorola Talkabout T82* (solide, weit verbreitet), Retevis RT24 Set* (4er-Pack, günstig fürs Team).

Tipp: Kanal 8 mit CTCSS 16 ist der inoffizielle „Notruf"-Kanal in PMR-Communities.

Freenet (Deutschland) — der Geheimtipp

149 MHz, 1 W, sechs Kanäle. Anmeldefrei in DE (Achtung: in AT/CH nicht erlaubt!). Wegen der niedrigeren Frequenz bessere Gebäudedurchdringung als PMR446. Reichweite real 2–8 km.

Empfehlung: Alan/Albrecht Tectalk*.

CB-Funk — der Klassiker mit Reichweite

27 MHz, 4 W AM/FM oder 12 W SSB. Anmelde- und lizenzfrei. Vorteil: echte Reichweite (5–20 km bodengebunden, mehrere hundert km mit SSB und Sonnenaktivität). Nachteil: große Antennen (mind. 1,2 m Mobilantenne), Frequenz kann durch elektromagnetische Störungen leiden.

Sinnvoll für: stationäre Basis, Auto/Wohnmobil, regionale Krisenkommunikation.

Empfehlung Mobil: President Randy III* (Handgerät mit Wechselantenne) oder Albrecht AE 6491*. Basisstation: President Lincoln II+* (SSB-fähig).

Amateurfunk — die Königsdisziplin

Yaesu FT-65 Dualband-Handfunkgerät
Yaesu FT-65 Dualband-Handfunkgerät
Baofeng UV-5R Amateurfunk-Lerngerät
Baofeng UV-5R Amateurfunk-Lerngerät

Mit einer Amateurfunk-Lizenz (Klasse E oder A) öffnen sich die nutzbaren Bänder von KW bis Mikrowelle. Klasse E ist in DE/AT in ~30 h Lernaufwand machbar, kostet wenige hundert Euro und erlaubt 75 W auf den meisten Bändern.

Realität: ein 2-m/70-cm-Handgerät mit 5 W erreicht in ländlicher Umgebung 5–20 km direkt, mit dem nächsten Relais oft 50–100 km. Über DMR/D-STAR/C4FM geht's via Internet weltweit (solange das Backbone steht).

Hardware-Empfehlung Einstieg (auch ohne Lizenz als Empfänger nutzbar):

  • Baofeng UV-5R* (~25 €) — der Lerntrainer schlechthin. Achtung: Bandzulassung in DE/AT auf 2 m/70 cm beschränken.
  • Yaesu FT-65* (~140 €) — hochwertiges Dualband-Handgerät, IP54.
  • Icom ID-52E* (~600 €) — Top-Klasse mit D-STAR, GPS, APRS.

Was im Krisenfall wirklich zählt

  1. Familien-Setup PMR446: 4 Handgeräte (z. B. Retevis RT24), Kanal + CTCSS fest vereinbart, Akkus geladen, Ladegeräte am 12-V-Netz.
  2. Nachbarschafts-Setup CB oder Freenet: ein stationäres Gerät pro Haushalt, gemeinsame Frequenz, fester Schichtplan (z. B. zur vollen Stunde Funkcheck).
  3. Region/Notfall: Amateurfunk-Lizenz und Aufbau einer Relais-Liste der Umgebung.

Zubehör, das oft fehlt

  • Headset / Lautsprechermikrofon — Hände frei.
  • Ersatzakku oder AA-Adapter — viele Geräte haben Pack-Adapter für 4–6× AA.
  • Magnetfußantenne fürs Auto — verdoppelt bis verzehnfacht Reichweite.
  • Frequenz- und Kanaltabelle laminiert in jeder Tasche.

Häufige Fehler

  • Geräte ohne CE/RED-Zulassung kaufen und auf Sendung gehen — illegal, hohe Bußgelder.
  • Auf Kanal-Bezeichnungen verlassen ohne CTCSS — du hörst sofort fremde User auf demselben Kanal.
  • Akkus zwei Jahre ungenutzt liegen lassen — Tiefentladung. Mindestens alle 3 Monate kurz nachladen.
  • Nur ein Gerät besitzen — Funk braucht zwei Partner.

Fazit

Für 100 € rüstest du eine Familie mit 4 PMR-Geräten aus — das löst 80 % aller realistischen Notfall-Kommunikationsszenarien. Wer regionale Reichweite und Unabhängigkeit vom Netz will, fügt CB-Funk oder eine Amateurfunk-Lizenz hinzu. Wichtiger als jedes Gerät ist Übung: mache 2-mal im Jahr einen Funkcheck mit der Familie, sonst sind die Geräte im Ernstfall nur teures Plastik.

Häufig gestellte Fragen

Welches Funkgerät darf ich ohne Lizenz benutzen?

PMR446 (446 MHz, 0,5 W, EU-weit lizenzfrei) ist Standard für Familie und Nachbarschaft. Reichweite 1–5 km. In Deutschland zusätzlich Freenet (149 MHz, 1 W). Für Reichweite > 10 km: CB-Funk.

Was kostet eine Amateurfunk-Lizenz?

Lehrgang + Prüfungsgebühr Klasse E in DE/AT ca. 200–400 €. Lernaufwand ~30 Stunden. Mit Klasse E darf man 75 W auf den meisten Amateurfunkbändern senden.

Funktionieren Funkgeräte ohne Stromnetz?

Ja — alle Handfunkgeräte laufen mit Akku, oft auch mit AA-Batterien (Adapter). Reichweite hängt von Topografie ab, nicht vom Stromnetz. Wichtig: Akkus alle 3 Monate nachladen.

Welcher PMR446-Kanal ist der Notruf-Kanal?

Inoffiziell: Kanal 8 mit CTCSS-Code 16 ist der „Notruf"-Kanal in vielen Prepping-Communities. Offiziell gibt es keinen festen Notrufkanal im PMR446-Bereich.

Wie weit reicht PMR446 wirklich?

Marketing sagt 5–10 km. Realität: 1–3 km in der Stadt, bis 5 km flach, bis 8 km auf Hügeln. Wand und Beton dämpfen sehr stark.


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