Funkgeräte im Notfall: PMR, CB & Amateurfunk im DACH-Vergleich 2026
Wenn Handynetz und Internet ausfallen, bleibt Funk. Wir zeigen, welche Funkdienste in Deutschland und Österreich anmeldefrei nutzbar sind, was Reichweite, Geräte und Lizenzen kosten — und welches Setup für Familie, Nachbarschaft und Vereinsalarm sinnvoll ist.
Auf einen Blick
PMR-Funkgeräte sind anmeldefrei und für Familien geeignet, CB-Funk bietet größere Reichweite ohne Lizenz, Amateurfunk erfordert Prüfung, aber maximale Reichweite. Für Nachbarschaftshilfe reicht PMR, für Vereinsalarm ist CB oder Amateurfunk besser.
Mobilfunk ist im Stressfall das erste, was wegbricht. In den ersten Stunden eines großflächigen Stromausfalls sind die Basisstationen meist noch über USV versorgt — nach 2–8 Stunden ist Schluss. Wer dann reden will, braucht Funk: anmeldefrei und sofort nutzbar (PMR446, Freenet, CB), oder lizenzgebunden mit deutlich mehr Reichweite (Amateurfunk).
Funkdienste im Überblick
PMR446 — das Einsteiger-Set für die Familie

PMR446 ist der lizenzfreie 446-MHz-Bereich, EU-weit identisch. 0,5 W Sendeleistung, fest verbaute Antenne. Reichweite ehrlich: 1–3 km im Stadtgebiet, bis 5–8 km auf Hügelketten.
Perfekt für: Kommunikation Haus ↔ Garten ↔ Nachbarschaft, Kinder im Wald, Konvoi-Funk im Auto.
Empfehlung Einstieg: Midland G9 Pro* (Premium, robust, USB-C), Motorola Talkabout T82* (solide, weit verbreitet), Retevis RT24 Set* (4er-Pack, günstig fürs Team).
Tipp: Kanal 8 mit CTCSS 16 ist der inoffizielle „Notruf"-Kanal in PMR-Communities.
PMR446-Funkgerät mit Direktkauf
Freenet (Deutschland) — der Geheimtipp
149 MHz, 1 W, sechs Kanäle. Anmeldefrei in DE (Achtung: in AT/CH nicht erlaubt!). Wegen der niedrigeren Frequenz bessere Gebäudedurchdringung als PMR446. Reichweite real 2–8 km.
Empfehlung: Alan/Albrecht Tectalk*.
CB-Funk — der Klassiker mit Reichweite
27 MHz, 4 W AM/FM oder 12 W SSB. Anmelde- und lizenzfrei. Vorteil: echte Reichweite (5–20 km bodengebunden, mehrere hundert km mit SSB und Sonnenaktivität). Nachteil: große Antennen (mind. 1,2 m Mobilantenne), Frequenz kann durch elektromagnetische Störungen leiden.
Sinnvoll für: stationäre Basis, Auto/Wohnmobil, regionale Krisenkommunikation.
Empfehlung Mobil: President Randy III* (Handgerät mit Wechselantenne) oder Albrecht AE 6491*. Basisstation: President Lincoln II+* (SSB-fähig).
Amateurfunk — die Königsdisziplin


Mit einer Amateurfunk-Lizenz (Klasse E oder A) öffnen sich die nutzbaren Bänder von KW bis Mikrowelle. Klasse E ist in DE/AT in ~30 h Lernaufwand machbar, kostet wenige hundert Euro und erlaubt 75 W auf den meisten Bändern.
Realität: ein 2-m/70-cm-Handgerät mit 5 W erreicht in ländlicher Umgebung 5–20 km direkt, mit dem nächsten Relais oft 50–100 km. Über DMR/D-STAR/C4FM geht's via Internet weltweit (solange das Backbone steht).
Hardware-Empfehlung Einstieg (auch ohne Lizenz als Empfänger nutzbar):
- Baofeng UV-5R* (~25 €) — der Lerntrainer schlechthin. Achtung: Bandzulassung in DE/AT auf 2 m/70 cm beschränken.
- Yaesu FT-65* (~140 €) — hochwertiges Dualband-Handgerät, IP54.
- Icom ID-52E* (~600 €) — Top-Klasse mit D-STAR, GPS, APRS.
Was im Krisenfall wirklich zählt
- Familien-Setup PMR446: 4 Handgeräte (z. B. Retevis RT24), Kanal + CTCSS fest vereinbart, Akkus geladen, Ladegeräte am 12-V-Netz.
- Nachbarschafts-Setup CB oder Freenet: ein stationäres Gerät pro Haushalt, gemeinsame Frequenz, fester Schichtplan (z. B. zur vollen Stunde Funkcheck).
- Region/Notfall: Amateurfunk-Lizenz und Aufbau einer Relais-Liste der Umgebung.
Zubehör, das oft fehlt
- Headset / Lautsprechermikrofon — Hände frei.
- Ersatzakku oder AA-Adapter — viele Geräte haben Pack-Adapter für 4–6× AA.
- Magnetfußantenne fürs Auto — verdoppelt bis verzehnfacht Reichweite.
- Frequenz- und Kanaltabelle laminiert in jeder Tasche.
🇦🇹 Österreich: PMR446 (lizenzfrei) + CB-Funk (lizenzfrei) sind in AT genauso erlaubt wie in DE. Amateurfunk: Lizenzklasse 1/3/4, Prüfung beim RTR. Der ÖVSV betreibt das Notfunk-Referat mit eingespielten Übungen — gute Anlaufstelle für Einsteiger.
🇨🇭 Schweiz: PMR446 und CB-Funk gleich lizenzfrei. Amateurfunk: Lizenzprüfung bei BAKOM. Die USKA (Union Schweizerischer Kurzwellen-Amateure) ist die Dach-Organisation. Im Notfall greift das Notfunk-Netz K-Funk (mit Polycom als Behörden-Backbone).
Häufige Fehler
- Geräte ohne CE/RED-Zulassung kaufen und auf Sendung gehen — illegal, hohe Bußgelder.
- Auf Kanal-Bezeichnungen verlassen ohne CTCSS — du hörst sofort fremde User auf demselben Kanal.
- Akkus zwei Jahre ungenutzt liegen lassen — Tiefentladung. Mindestens alle 3 Monate kurz nachladen.
- Nur ein Gerät besitzen — Funk braucht zwei Partner.
Wie du Funk konkret im Blackout-Szenario einsetzt — Protokolle, Netzplan und Familienübungen — erklärt Funk bei Stromausfall: PMR, CB & Amateurfunk für Familien.
Fazit
Für 100 € rüstest du eine Familie mit 4 PMR-Geräten aus — das löst 80 % aller realistischen Notfall-Kommunikationsszenarien. Wer regionale Reichweite und Unabhängigkeit vom Netz will, fügt CB-Funk oder eine Amateurfunk-Lizenz hinzu. Wichtiger als jedes Gerät ist Übung: mache 2-mal im Jahr einen Funkcheck mit der Familie, sonst sind die Geräte im Ernstfall nur teures Plastik.
Häufig gestellte Fragen
Welches Funkgerät darf ich ohne Lizenz benutzen?
PMR446 (446 MHz, 0,5 W, EU-weit lizenzfrei) ist Standard für Familie und Nachbarschaft. Reichweite 1–5 km. In Deutschland zusätzlich Freenet (149 MHz, 1 W). Für Reichweite > 10 km: CB-Funk.
Was kostet eine Amateurfunk-Lizenz?
Lehrgang + Prüfungsgebühr Klasse E in DE/AT ca. 200–400 €. Lernaufwand ~30 Stunden. Mit Klasse E darf man 75 W auf den meisten Amateurfunkbändern senden.
Funktionieren Funkgeräte ohne Stromnetz?
Ja — alle Handfunkgeräte laufen mit Akku, oft auch mit AA-Batterien (Adapter). Reichweite hängt von Topografie ab, nicht vom Stromnetz. Wichtig: Akkus alle 3 Monate nachladen.
Welcher PMR446-Kanal ist der Notruf-Kanal?
Inoffiziell: Kanal 8 mit CTCSS-Code 16 ist der „Notruf"-Kanal in vielen Prepping-Communities. Offiziell gibt es keinen festen Notrufkanal im PMR446-Bereich.
Wie weit reicht PMR446 wirklich?
Marketing sagt 5–10 km. Realität: 1–3 km in der Stadt, bis 5 km flach, bis 8 km auf Hügeln. Wand und Beton dämpfen sehr stark.
PMR446 vs. CB-Funk — was ist der Unterschied?
PMR446 ist das Kurzstrecken-Set (1–5 km, Handgeräte, kein Aufbau). CB-Funk bietet 5–20 km Reichweite, braucht aber eine externe Antenne. PMR eignet sich für Familie und Haus, CB für Fahrzeuge und regionale Krisenkommunikation. Beide sind in Deutschland anmelde- und lizenzfrei.
Ist das Baofeng UV-5R in Deutschland legal?
Als Empfänger ist der Baofeng UV-5R überall legal. Als Sender nur mit gültiger Amateurfunk-Lizenz (Klasse E oder A) auf zugelassenen Bändern. Das Gerät hat keine CE-Zulassung für den Sendebetrieb im PMR- oder Freenet-Bereich. Ohne Lizenz ist Senden strafbar.
Welches Funkgerät ist für den Blackout-Fall am besten geeignet?
Für den Heimgebrauch: PMR446-Set mit 4 Geräten (z. B. Retevis RT24 oder Midland G9 Pro) — sofort einsatzbereit, keine Lizenz, AA-Batterien als Backup. Für Reichweite: ein CB-Mobilfunkgerät fürs Auto. Wichtig: Geräte vor dem Ernstfall aufladen, Kanal mit Nachbarn absprechen, laminierte Kanalliste beilegen.
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Mehr dazu: Powerstation für den Blackout – welche Größe wirklich reicht
Häufige Fragen
Welcher Funkdienst ist ohne Anmeldung nutzbar?
PMR (Private Mobile Radio) ist in Deutschland und Österreich anmeldefrei und lizenzfrei. CB-Funk ist ebenfalls anmeldefrei, aber die Geräte müssen zugelassen sein. Amateurfunk erfordert eine Prüfung und Lizenz.
Welche Reichweite haben PMR-Funkgeräte?
PMR-Geräte haben im Freien typisch 1-5 km, in bebauten Gebieten oft nur 500 m. Mit externen Antennen oder auf Hügeln kann die Reichweite steigen.
Kann ich mit CB-Funk auch über Ländergrenzen kommunizieren?
Ja, CB-Funk (27 MHz) kann bei guten Bedingungen mehrere hundert Kilometer überbrücken, besonders mit SSB-Modulation. In DACH ist CB anmeldefrei, aber die Sendeleistung ist auf 4 Watt (AM/FM) begrenzt.
Lohnt sich der Amateurfunk für die Notfallvorsorge?
Ja, wenn Sie bereit sind, eine Prüfung abzulegen. Amateurfunk bietet weltweite Reichweite, viele Frequenzen und Notfunknetze. Die Lizenz kostet etwa 50-100 EUR Prüfungsgebühr, die Geräte ab 200 EUR.
Zuletzt aktualisiert: 2026-06-01 · Autor: Florian Neuhuber
