Funk bei Stromausfall: PMR, CB & Amateurfunk für Familien
Wenn Mobilfunk-Towers ohne Strom sind: PMR, CB, Amateurfunk im Vergleich. 3-Tier-Setup für Familie, Nachbarschaft, Region.
Auf einen Blick
Bei Stromausfall fallen Mobilfunknetze oft aus. PMR, CB und Amateurfunk bieten alternative Kommunikation. Ein 3-Tier-Setup deckt Familie, Nachbarschaft und Region ab.
Funk bei Stromausfall: PMR + CB + Amateurfunk-Setup
Resilienz für Familien. Technisch fundiert. Ohne Panik.
Im Blackout verstummt zuerst das Smartphone — nicht weil dein Akku leer wäre, sondern weil die Sendemasten ihre USV-Reserven nach 30 bis 60 Minuten aufgebraucht haben. Ab dann läuft nichts mehr: keine Anrufe, keine WhatsApp, keine Notruf-App. Wer dann mit Familie, Nachbarschaft oder Hilfsorganisationen reden will, braucht Funk. Diese Anleitung beschreibt ein realistisches 3-Tier-Setup vom lizenzfreien Handfunk bis zum Amateurfunk — und sagt klar, was du brauchst und was nicht.
Inhaltsverzeichnis
- Mobilfunk-Realität bei Blackout
- Die 3-Tier-Strategie
- Tier 1: PMR446 für Familie & Haus
- Tier 2: CB-Funk für Nachbarschaft & Auto
- Tier 3: Amateurfunk für Region & Notruf
- DACH-Regulation im Überblick
- Akku-Strategie
- Antennen-Realität
- Funk-Übungs-Plan Familie
- Digitale Modi: DMR, D-STAR, C4FM
- Häufige Fragen
Mobilfunk-Realität bei Blackout
Die Mobilfunk-Anbieter sind zur Notstrom-Vorsorge gesetzlich nicht eindeutig verpflichtet. Realität in DACH:
- Sendestationen am Land: oft kein Notstrom, USV reicht je nach Standort 0-60 Minuten
- Sendestationen in Städten: meist Batterie-USV 30-120 Minuten, vereinzelt Diesel-Aggregat 24-72 Stunden
- Mobilfunkzentralen / MSC: meist Diesel + Tank für 24-72 Stunden
- Glasfaser-Backbone: über aktive Komponenten an Strom gebunden, Verfügbarkeit unterschiedlich
Reale Beispiele: Tirol Januar 2024 — Funklöcher binnen einer Stunde nach Stromausfall. Münsterland 2005 — Mobilfunk in den schneeisolierten Gemeinden binnen 2-3 Stunden weg. Bei einem regionalen Stromausfall mit Dieselversorgung der Hauptstandorte stehen einzelne Sektoren oft noch — du musst aber dazu in deren Funkschatten kommen.
Konsequenz: Verlass dich nicht auf Mobilfunk. Wer Familienkommunikation bei Blackout will, braucht eigene Funkmittel.
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Die 3-Tier-Strategie
Ein einzelnes Funkgerät kann nicht alles. Daher denken wir in drei Reichweiten-Stufen, mit zunehmender Komplexität:
- Tier 1 (PMR446): Familie auf 0,5-3 km. Lizenzfrei, alle dürfen es benutzen.
- Tier 2 (CB-Funk): Nachbarschaft und Auto auf 3-15 km. Lizenzfrei, Spezifik DACH-unterschiedlich.
- Tier 3 (Amateurfunk): Region und Notrufnetze auf 10-1.000+ km. Lizenz nötig (Klasse E in DE/AT, A in CH).
Idealerweise besitzt eine Familie Tier 1 komplett (4 Geräte), ergänzt durch ein Tier-2-Gerät im Auto, und mindestens ein Familienmitglied ist Amateurfunker (Tier 3).
Tier 1: PMR446 für Familie & Haus
PMR446 (Private Mobile Radio 446 MHz) ist lizenzfreier Handfunk in der gesamten EU, Schweiz und Großbritannien.
Spezifikation
- Frequenz: 446,0-446,2 MHz (UHF)
- Sendeleistung: max. 500 mW ERP
- Antenne: fest, nicht abnehmbar (Vorschrift)
- 16 Kanäle (8 analog + 8 digital seit 2017)
- Reichweite: 0,5-3 km in Stadt/Wald, bis 8 km bei Sichtverbindung
Geräteempfehlung
Für die Familie reichen einfache Geräte ab 25-50€ pro Stück. Robusterer Klassiker: Motorola TLKR* oder Midland G9 Pro*. Wichtig: USB-Lademöglichkeit (über Powerstation oder Powerbank) und auswechselbare Akkus mit AA-Reserve.
Familien-Setup
- 4 Geräte (jedes Familienmitglied)
- 1 Hauptkanal verabredet (z.B. Kanal 8, CTCSS 12) + 1 Notfallkanal als Backup
- Klare Namen ("Papa", "Anna", "Mama", "Lukas") — keine Funknamen-Spielerei
- Lade-Routine: alle 3 Monate volle Ladung, monatlicher 5-Min-Test
Einschränkungen
Im Tal, hinter Hügeln, in Beton-Stadt: Reichweite sinkt drastisch. Schule-zu-Haus oft kein Verbindungsproblem, Schule-zu-Arbeitsplatz schon. Für mehr Reichweite gehst du auf Tier 2 oder 3.
Vollständige Geräte-Empfehlungen: Funkgeräte für den Notfall.
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Tier 2: CB-Funk für Nachbarschaft & Auto
CB-Funk (Citizens Band, 27 MHz) ist die klassische Lkw-Fahrer-Frequenz — und nach langer Schattenexistenz wieder relevant geworden.
Spezifikation
- Frequenz: 26,565-27,405 MHz (HF, Kurzwelle Untergrenze)
- Sendeleistung: AM/FM 4 W in DE/AT/CH, SSB bis 12 W in DE (Single Sideband)
- 80 Kanäle FM in DE, weitere Kanäle international
- Antenne: abnehmbar — entscheidender Reichweiten-Faktor!
- Reichweite: 3-30 km je nach Antennen-Setup, mit Überreichweite (Sporadic-E) gelegentlich 1.000+ km
Geräteklassen
- Mobilgerät im Auto: z.B. President McKinley* (FM/SSB) oder Albrecht AE5890EU* — 150-300€
- Handfunkgerät CB: Albrecht Tectalk, President Randy III. Klein, aber durch fest verbaute Helical-Antenne reichweite-mäßig schwach
- Heimstation CB: Standgerät mit Außenantenne — beste Reichweite
Antenne ist entscheidend
Mit Helical-Antenne (Handgerät) 1-3 km. Mit Auto-Antenne 5-15 km. Mit Heim-Außenantenne (z.B. Sirio Antenna oder Dipol auf dem Dach) 15-30 km regelmäßig. Bei guten Bedingungen mehr.
Sinnvoller Einsatz
- Auto-Kommunikation: Im Konvoi oder bei abgeschnittener Familie über mehrere Kilometer
- Nachbarschaft: Mit benachbarten Höfen oder im selben Ort koordinieren — wenn der Nachbar auch ein CB hat
- Notfall-Mitschneiden: Auch ohne Sendelizenz darfst du zuhören. CB-Kanal 9 ist traditionell für Notrufe
Tier 3: Amateurfunk für Region & Notruf
Amateurfunk ist die Königsklasse — größte Reichweite, höchste Flexibilität, größter Lernaufwand. Du brauchst eine Lizenz.
Lizenz-Klassen DACH
| Land | Einsteiger-Klasse | Vollklasse | Aufwand |
|---|---|---|---|
| Deutschland | Klasse E (VHF/UHF + 10m) | Klasse A (alle Bänder) | 4-8 Wochen Lernen |
| Österreich | CEPT-Novice (Klasse 4) | CEPT (Klasse 1) | ähnlich |
| Schweiz | HB3 (Einsteiger) | HB9 (CEPT) | ähnlich |
Detaillierter Weg zur Lizenz in 4 Wochen: Funkamateur Klasse E in 4 Wochen.
Was kann Amateurfunk in der Krise?
- Direktbetrieb VHF/UHF (2m und 70cm): 10-100 km via Relais, in Bergen weniger
- HF (Kurzwelle): hunderte bis tausende Kilometer ohne Infrastruktur
- Notfunk-Netze: Bundesweite Notfunk-Frequenzen, DARC-Notfunkgruppe in DE, ÖVSV in AT, USKA in CH
- Digitale Modi (DMR, D-STAR, Winlink): Email und Daten über Funk
Einsteiger-Setup
- Handfunkgerät 2m/70cm: Baofeng UV-5R* (30€, Einstieg) oder Yaesu FT-65* (120€, robust)
- Mobilgerät / Heimstation: Yaesu FT-7900* oder TYT TH-9000D* — 200-400€
- Antenne: Magnetfuß-Mobilantenne* (50-100€) oder Vertikal-Antenne fürs Dach* (150-300€)
- Netzteil 12V/15A* (oft Powerstation-Output nutzbar) und Schwingungsschutz
Notfunk konkret
In Deutschland gibt es die DARC-Notfunk-Frequenzen — z.B. 145,500 MHz (2m) und 433,500 MHz (70cm) als Anruffrequenzen. Im Ernstfall hörst du dort rein und meldest dich. Die Lokal-Relais (z.B. DB0xx) sind oft Notstrom-versorgt, dort findest du auch in der Krise organisierte Hilfe.
DACH-Regulation im Überblick
| Funkart | DE (BNetzA) | AT (RTR/Behörde) | CH (BAKOM) |
|---|---|---|---|
| PMR446 | frei | frei | frei |
| CB-Funk | frei, 4W FM / 12W SSB | frei, 4W (SSB eingeschränkt) | frei, 4W |
| Freenet (149 MHz) | nur DE, 6 Kanäle frei | nicht zugelassen | nicht zugelassen |
| Marine VHF | SRC-Funkzeugnis | SRC | SRC |
| Amateurfunk | Klasse E/A Prüfung | CEPT-Klassen 1/4 | HB3/HB9 |
Wichtig: Senden auf nicht-zugelassenen Frequenzen ist strafbar (in DE bis 100.000€ Bußgeld). Im echten Notfall (Gefahr für Leib und Leben) gilt ein Notrufprivileg — jeder darf jede Frequenz benutzen, um Hilfe zu rufen. Außerhalb davon: bleibe auf deiner Klasse.
Akku-Strategie
Funkgerät ohne Strom ist Briefbeschwerer. Drei Schichten:
Schicht 1: AA-Akkus
Viele PMR446-Geräte laufen mit 4× AA. Vorrat 16 AA-Akkus pro Gerät empfohlen — du tauschst nur, kein Aufladen nötig. Eneloop Pro o.ä. Niedrige Selbstentladung.
Schicht 2: Powerbank + Powerstation
USB-C-Ladung für moderne Funkgeräte (Baofeng, Yaesu FT-65). Powerbank 20.000 mAh hält ein Handfunkgerät 5-10 mal nach. Powerstation 500-1.000 Wh für mehrere Wochen Funk-Betrieb möglich. Siehe Powerstation-Vergleich.
Schicht 3: Solar
100W-Solarpanel + Laderegler + 12V-Akku. Macht Funkstation auch bei tagelangem Stromausfall energetisch autark. Im Zusammenspiel mit Powerstation ideal.
Antennen-Realität
Die wichtigste Regel: Höher ist besser. Eine 5€-Antenne 10 Meter höher schlägt eine 500€-Antenne im Keller. Konkrete Tipps:
- Handfunkgerät: Standardantenne durch längere "Nagoya NA-771" (15€) ersetzen — Reichweite gewinnt 20-30%
- Auto: Magnetfuß auf Dach ist deutlich besser als Heckscheibe
- Haus: Außenantenne, idealerweise auf dem Dach, mit ordentlichem Erdblitzschutz
- Notbehelf: Gardena-Stange + Drahtantenne (Dipol für 2m: 2× 50 cm Draht) — kann erstaunlich gut funktionieren
Funk-Übungs-Plan Familie
Equipment ohne Übung ist Vitrinen-Ausstellung. Drei einfache Routinen:
Monatlicher 5-Min-Test
Festen Termin (z.B. erster Sonntag, 19:00 Uhr). Alle PMR-Geräte einschalten, auf vereinbartem Kanal kurz „Funktionscheck — Papa, hörst du mich?" Reihum. Akku-Stand prüfen, ggf. laden.
Vierteljährlich: Reichweiten-Probe
Familie nimmt PMR-Geräte mit, einer bleibt zuhause. Vom Supermarkt, von der Schule, vom Sportplatz: testen, wo Verbindung steht, wo nicht. So lernst du dein Funk-Profil im Wohngebiet.
Jährlich: Blackout-Tag
Ein Samstag ohne Strom (Sicherungen aus), Funk als einziges Kommunikationsmittel. Übung für die ganze Familie, Lücken werden sichtbar.
Eingebettet in den Familien-Krisenkommunikationsplan: Krisenkommunikation Familie.
Digitale Modi: DMR, D-STAR, C4FM
Optional und nur für Amateurfunker (Tier 3): Digitalfunk-Modi geben dir bessere Sprachqualität, Daten und Reichweite über Internet-Repeater-Netze.
- DMR (Digital Mobile Radio): kommerziell verbreitet, große weltweite Netzwerke (Brandmeister), Geräte günstig (Anytone AT-D878 ~270€)
- D-STAR (Icom): erstes Amateur-Digitalsystem, robust, Geräte teurer (Icom IC-705 ~1.300€)
- C4FM (Yaesu): System Fusion — analog/digital kompatibel, einfache Repeater (Yaesu FT-70D ~180€)
Achtung: Bei totalem Blackout fallen die Internet-vernetzten Teile aus — Direktbetrieb funktioniert aber weiterhin. Daher: ein digitalfähiges Funkgerät ist nett, ersetzt aber nicht das einfache analoge UHF/VHF-Setup.
Hintergrund-Pillar zum Thema: Pillar-Page Funk. Verbindung zu Energie: Pillar Energie. Erste 60 Minuten bei Stromausfall: Stromausfall — die ersten 60 Minuten.
Den ausführlichen Geräte-Vergleich mit konkreten Empfehlungen findest du hier: Funkgeräte für den Notfall: PMR446, CB, Freenet und Amateurfunk im Vergleich.
Häufige Fragen
Brauche ich für PMR446 eine Lizenz?
Nein. PMR446 ist EU-weit, in der Schweiz und Großbritannien lizenzfrei nutzbar. Voraussetzung: Gerät ist CE-konform und hat fest verbaute Antenne, maximal 500 mW.
Was ist die Reichweite eines PMR-Funkgeräts realistisch?
Stadt mit Hochhäusern: 300-800 m. Wohnviertel: 1-2 km. Freie Sichtverbindung: bis 8 km, in Bergen mit Höhenunterschied auch mehr.
Kann ich mit PMR die Feuerwehr erreichen?
Nein. Feuerwehr und BOS-Funk laufen auf separaten Frequenzen (TETRA-Digitalfunk in DACH). PMR ist Familien-/Nachbarschaftsfunk. Notruf bleibt 112, wenn Mobilfunk verfügbar.
Lohnt sich CB-Funk im Auto heute noch?
Ja, für Krisenvorsorge sehr. Reichweite mehrere Kilometer ohne Infrastruktur, in einigen Regionen aktive Communitys. Lkw-Fahrer hören oft Kanal 9 oder 19 — gut für Stau-Info.
Wie schwer ist die Amateurfunk-Prüfung Klasse E?
4-8 Wochen Vorbereitung neben dem Job realistisch. Multiple-Choice. Lernstoff: Technik, Betriebspraxis, Vorschriften. Detail: Funkamateur Klasse E in 4 Wochen.
Was ist Freenet?
Deutsche Funk-Norm bei 149 MHz, 6 Kanäle, lizenzfrei. Reichweite zwischen PMR und CB. In AT und CH nicht zugelassen — daher als Familien-Lösung in DACH weniger geeignet, in DE eine Alternative zu PMR.
Brauche ich Notstrom für ein Funkgerät?
Handfunkgeräte: nein, AA-Akkus reichen für viele Stunden. Heimstationen mit 12V: ja — Powerstation oder Auto-Batterie oder Solar-Inselanlage.
Ist ein billiger Baofeng UV-5R wirklich brauchbar?
Ja, als günstiger Einstieg in 2m/70cm. Sender-Qualität nicht spitze (Spektrum-Reinheit), aber lebenstauglich. Für ernsthafte Notfunk-Anwendung würde ich aber zu Yaesu/Icom raten — robuster und sauberer.
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Mehr dazu: Powerstation für den Blackout – welche Größe wirklich reicht
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Häufige Fragen
Welche Funkgeräte sind für Anfänger geeignet?
PMR-Geräte sind günstig und lizenzfrei, ideal für die Familie. CB-Funk erfordert eine Anmeldung, bietet aber größere Reichweite. Amateurfunk benötigt eine Prüfung, ermöglicht aber weltweite Kommunikation.
Wie weit reichen PMR-Funkgeräte?
PMR-Geräte haben im Freien eine Reichweite von 1-5 km, in bebauten Gebieten oft nur 500 m. Mit einem mobilen oder stationären Gerät und einer Außenantenne kann die Reichweite auf 10-20 km steigen.
Brauche ich eine Lizenz für CB-Funk?
Ja, für CB-Funk ist in Deutschland eine Gebührenbefreiung erforderlich, die einmalig beantragt wird. Die Nutzung ist dann kostenfrei. Die Geräte sind im Handel erhältlich.
Was ist ein 3-Tier-Setup?
Ein 3-Tier-Setup bedeutet: Stufe 1: PMR für die Familie im Nahbereich. Stufe 2: CB-Funk für die Nachbarschaft (bis 10 km). Stufe 3: Amateurfunk für regionale Kommunikation (bis 100 km). So ist man für verschiedene Szenarien gerüstet.
Zuletzt aktualisiert: 2026-06-01 · Autor: Florian Neuhuber

