Funkamateur in 4 Wochen: Klasse-E-Lizenz Schritt für Schritt
Die Amateurfunk-Lizenz Klasse E ist in vier Wochen schaffbar — wenn man systematisch lernt. Wir zeigen Prüfungsstoff, DARC/ÖVSV-Kurse, Online-Trainer (50ohm.de, hamradiotrainer), Anmeldung bei BNetzA/RTR und das erste Handgerät.
Amateurfunk ist die einzige Kommunikationstechnik, die unabhängig von Mobilfunknetz, Internet und Stromversorgung über Tausende Kilometer funktioniert. Ein Funkamateur erreicht im Blackout sein Pendant in der Nachbarstadt oder weltweit über Kurzwelle. Genau das macht die Lizenz für Prepper, Krisenmanager und Outdoor-Enthusiasten attraktiv.
Die Klasse-E-Lizenz (Einsteigerklasse) ist in vier Wochen machbar. Dieser Artikel zeigt einen konkreten Wochenplan, die besten Lernmaterialien, die Anmeldung und die erste Funkausrüstung.
id="warum-amateurfunk-lizenz-statt-pmrcb">Warum Amateurfunk-Lizenz statt PMR/CB?
- Reichweite: 100 W auf 80 m / 40 m KW reicht D/A/CH-weit, mit guter Antenne weltweit. PMR446: 1-5 km Sichtweite.
- Notfunkrelais: Eingerichtete Relais (z.B. DB0AN, OE3XOA) erweitern 2-m/70-cm-Reichweite über ganze Bundesländer.
- Digitale Modi: FT8, JS8Call, DMR, D-STAR — von Textnachrichten über E-Mail (Winlink) bis Hochgeschwindigkeits-Daten.
- Community: ~70 000 Funkamateure in D/A — Notfunkgruppen, OV-Treffen, regelmäßige Übungen.
- Rechtssicher: Senden auf KW-Bändern ohne Lizenz = strafbar. Klasse E = legal aktiv sein.
Vergleich der Funkstandards siehe Funkgeräte-Übersicht.
Prüfungsstoff Klasse E
Die Prüfung besteht aus drei Teilen mit je 34 Multiple-Choice-Fragen:
- Technische Kenntnisse: Ohmsches Gesetz, Schwingkreise, Halbleiter, Antennen, Modulation, Messtechnik. Mathematische Grundkenntnisse hilfreich.
- Betriebstechnik: Q-Schlüssel, Rufzeichen, QSO-Ablauf, Bandpläne, Verkehrsabwicklung.
- Vorschriften: AFuG/AFuV (DE) bzw. AFG/AFV (AT), IARU-Bandplan, internationale Rufzeichen, Logbuchpflicht.
Der vollständige Fragenkatalog ist veröffentlicht: 720 Fragen Technik, 700 Betriebstechnik, 500 Vorschriften. Wer alle einmal durchgeht, hat die Prüfung de facto sicher.
Der 4-Wochen-Plan
Woche 1: Grundlagen Elektrotechnik + Anmeldung
- Anmeldung bei BNetzA/RTR (Termin gleich blockieren, sonst dauert es Monate).
- Buch: „Amateurfunk-Lizenz Klasse E" von Eckart Moltrecht (DJ4UF) — der Standard. Buch DJ4UF* ca. 25 €.
- Online: 50ohm.de Kapitel 1-5 durcharbeiten.
- Ziel: Grundbegriffe sitzen (Spannung, Strom, Widerstand, Schwingkreis).
Woche 2: HF-Technik + Antennen
- Lektion: Modulation (AM/FM/SSB), Sender/Empfänger-Aufbau, Antennenformen (Dipol, Vertikal, Yagi).
- 50ohm.de Kapitel 6-10.
- Begleitend: Hamradiotrainer-App* starten, tägliche 20 Fragen.
- Ziel: Antennenanpassung verstehen, SWR-Konzept klar.
Woche 3: Betriebstechnik + Vorschriften
- Q-Schlüssel (QRZ, QSL, QTH, QSY, QRP, QRM, QRN, QSB) auswendig.
- IARU-Bandplan kennen: welches Band für welche Betriebsart.
- Rufzeichensystematik (DA-DR / OE).
- Probelektionen DARC/ÖVSV-Online-Lehrgang.
- Ziel: Probeprüfung 60 % schaffen.
Woche 4: Wiederholen + Probeprüfungen
- Täglich 1 vollständige Probeprüfung (hamradiotrainer oder afu-mock).
- Fehlerprotokoll: welche Fragen wiederholt falsch? Vertiefen.
- Ziel: 3 Probeprüfungen über 85 % in Folge, dann zur Prüfung.
Anmeldung und Prüfungsablauf
Deutschland (BNetzA): Online-Formular bundesnetzagentur.de → Amateurfunk → Prüfungsanmeldung. Gebühr 80 € (Klasse E). Prüfung in Mülheim, Hamburg, Eschborn, Erfurt, Karlsruhe etc. ca. monatlich. Dauer 2 h, schriftlich.
Österreich (RTR): Antrag rtr.at → Amateurfunk → Prüfungsantrag. Gebühr ~100 €. Prüfung Wien (regelmäßig), Graz, Innsbruck, Linz quartalsweise. Dauer 2 h.
Bei Bestehen: Rufzeichen-Antrag (DE selbst wählbar aus freiem Pool, AT zugewiesen), Zuteilung dauert 2-6 Wochen.
Das erste Funkgerät
Handgerät (2 m / 70 cm)
- Einstieg solid: Yaesu FT-65E* (~120 €) — robust, gute Empfangsqualität, IP-Schutz.
- Premium D-STAR: Icom ID-52E* (~600 €) — Digitalmodi, GPS, Bluetooth.
- Budget zum Lernen: Baofeng UV-5R* (30 €) — nur zum Empfangen üben, nicht für ernsthaftes Senden.
Mobilgerät / Standgerät
- Yaesu FT-891* — KW + 6 m, 100 W, ideale Klasse-E-Station ab 900 €.
- Icom IC-705* — portabel, KW + V/UHF, mit Akku, 1400 €.
Antenne
- Einstieg KW: Drahtdipol selbst gebaut, 40 m + 80 m, am Baum aufgehängt.
- 2 m / 70 cm: Diamond X30 Vertikalantenne* (4 m, ~80 €).
- Zubehör: RG58-Koaxkabel 10 m mit PL259*.
Vergleichstabelle: Funkstandards
| Standard | Lizenz | Leistung | Reichweite typ. | Notfunk-Tauglichkeit |
|---|---|---|---|---|
| PMR446 | keine | 0,5 W | 1-5 km | Familie/Lokal |
| Freenet | keine | 0,5 W | 1-5 km | nur DE |
| CB-Funk 11 m | keine | 4 W AM / 12 W SSB | 5-50 km | mittel |
| Klasse-E Amateurfunk | Prüfung | 100 W | regional bis weltweit | sehr hoch |
| Klasse-A Amateurfunk | Prüfung umfassender | 750 W | weltweit | höchste |
Häufige Fehler
- „Ich lerne ohne Termin." Ohne Anmeldetermin keine Lernmotivation. Erst Termin, dann Lernen.
- Nur Fragen pauken, nichts verstehen. Spätestens beim ersten realen QSO bist du verloren. Theorie wirklich durchdringen.
- Baofeng als Hauptgerät: Schlechte Spektralreinheit, kann Relais stören, ist im OV-Kollegenkreis verpönt. Yaesu/Icom kostet 80 € mehr, das ist es wert.
- Antenne ohne SWR-Prüfung: Falsch angepasste Antenne zerstört das Endstufen-Transistor des Senders. SWR-Meter Nissei SX-200* ist Pflicht-Zubehör.
- Kein OV-Anschluss: Ortsverband (OV) des DARC / ÖVSV ist Gold wert: Mentoren, Antennenhilfe, Notfunkübungen.
- Notfunk-QSO nie geübt: Erstmals im echten Notfall funken endet im Chaos. Mindestens monatlich Testverbindungen.
Fazit
Vier Wochen disziplinierter Vorbereitung reichen für die Klasse-E-Lizenz — wenn der Termin steht und der Wochenplan gehalten wird. Investitionssumme: ~200 € (Buch, App, Prüfungsgebühr) plus 150 € fürs erste Handgerät. Wer es ernst meint mit Krisenkommunikation, hat damit eine Kompetenz, die durch keine App ersetzbar ist. Beste Investition für Prepper, die über Familien-PMR hinausdenken.
Verwandte Artikel
- Funkgeräte für den Notfall: PMR, CB, Amateurfunk
- Krisenkommunikation in der Familie
- 72 Stunden ohne Strom
Affiliate-Hinweis: Links mit * sind Werbe-/Affiliate-Links. Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen. Für dich entstehen keine Mehrkosten. Details im Impressum.
Häufig gestellte Fragen
Wie schwer ist die Klasse-E-Prüfung wirklich?
Mit 30-50 h Lernen in 4 Wochen gut machbar. Drei Teile: Technik (34 Fragen), Betriebstechnik (34), Vorschriften (34). Bestehen mit 75 % je Teil. Fragenkatalog ist veröffentlicht und endlich — alle Fragen einmal durchgegangen = bestanden.
Was darf ich mit Klasse E im Vergleich zu Klasse A?
Klasse E: 100 W Sendeleistung (vs. 750 W bei A), einige Bänder ausgeschlossen (160 m, 6 m). Erlaubt: 80, 40, 15, 10 m, 2 m, 70 cm — alles für Notkommunikation, Relais und CW. Reicht für 95 % aller Anwendungen.
Welches erste Funkgerät kaufen?
Erstes Gerät: 2-m/70-cm-Handgerät. Yaesu FT-65E (~120 €) oder Icom ID-52E (Premium D-STAR, ~600 €). Baofeng UV-5R (30 €) ist Hörgerät zum Lernen, kein hochwertiges TX. Für Notfunk: Yaesu FT-4XE/FT-65E.
Wo melde ich mich für die Prüfung an?
DE: Bundesnetzagentur (bundesnetzagentur.de), Gebühr 80 €, Prüfungen monatlich in Mülheim, Hamburg, Eschborn, Erfurt. AT: RTR (rtr.at), ~100 €, Prüfungen Wien, Graz, Innsbruck.
Welche Online-Lerntools sind die besten?
50ohm.de: Klassiker, kostenlos, kompletter Fragenkatalog. hamradiotrainer.com: App mit Spaced-Repetition. DARC-Online-Lehrgang (50 €) + ÖVSV-Kurse. Beste Kombi: App täglich + 50ohm.de für Vertiefung.