Krieg zwischen Russland und NATO: Was sich für deinen Haushalt wirklich ändern würde
Ein nüchternes Szenario: Was ein Krieg zwischen Russland und NATO für Haushalte in Deutschland, Österreich und der Schweiz bedeuten würde – und was du jetzt schon tun kannst.
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Stand: 26. September 2026
Vorweg, damit es keine Missverständnisse gibt: Das hier ist ein Szenario, keine Prognose. In unserer Lageeinschätzung „Lage Orange" kommen wir zu dem Schluss, dass ein direkter Krieg zwischen Russland und der NATO derzeit nicht wahrscheinlich ist – die Abschreckung gilt weiterhin als glaubwürdig.
Aber die Frage „Und wenn doch?" stellen sich gerade viele. Und sie verdient eine ehrlichere Antwort als die beiden, die man meistens bekommt: „Das passiert nicht" oder „Dann ist sowieso alles vorbei".
Die ehrliche Antwort lautet: Wenn du in Deutschland, Österreich oder der Schweiz lebst, würdest du einen solchen Krieg mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht an einer Front erleben – sondern im Alltag. In Form von Ausfällen, Engpässen, Einschränkungen und sehr viel Unsicherheit. Genau darauf kann man sich vorbereiten.
Warum ausgerechnet der Alltag betroffen wäre
Moderne Konflikte werden nicht nur mit Panzern geführt. Schon heute gibt es in Europa Sabotage an Kabeln und Leitungen, Cyberangriffe und gezielte Desinformation. In einem offenen Konflikt würde das nicht aufhören, sondern zunehmen – und es trifft Ziele weit hinter jeder Front: Strom, Mobilfunk, Internet, Zahlungssysteme, Logistik.
Deshalb haben die Behörden in allen drei Ländern ihre Ratschläge in den letzten zwei Jahren spürbar angepasst:
- Das deutsche Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BBK) hat im Oktober 2025 seinen Ratgeber grundlegend überarbeitet. Neu sind unter anderem Hinweise zum Erkennen von Desinformation, zum Schutzsuchen bei Explosionen, zum Umgang mit Angst – und Informationen zur Zivilverteidigung.
- Schweden hat im November 2024 die Broschüre „Om krisen eller kriget kommer" („Wenn die Krise oder der Krieg kommt") an rund fünf Millionen Haushalte verschickt. Finnland hat seine Leitlinien ebenfalls erneuert.
- Die EU empfiehlt seit März 2025, dass jeder Haushalt mindestens 72 Stunden ohne Hilfe von außen auskommen kann.
Das ist kein Beleg dafür, dass ein Krieg kommt. Es ist ein Beleg dafür, dass Staaten wieder für den Fall planen, dass er kommt.
Die ersten 72 Stunden
In den ersten Stunden eines großen Konflikts wäre vor allem eines knapp: verlässliche Information. Gerüchte verbreiten sich schneller als offizielle Meldungen, und genau darauf zielt Desinformation.
Was dann wirklich zählt:
- Offizielle Warnkanäle kennen. In Deutschland NINA und Cell Broadcast, in Österreich AT-Alert, in der Schweiz Alertswiss. Wie du sie richtig einrichtest, steht in unserem Beitrag zu den Warn-Apps in DACH.
- Die Sirenensignale kennen (siehe unten) – sie funktionieren auch dann, wenn das Handynetz überlastet ist.
- Ein Radio, das ohne Steckdose läuft. Bei Stromausfall und Netzüberlastung ist das Radio der zuverlässigste Informationskanal. Worauf es ankommt, erklären wir in Notfallradio: die Akku-Falle.
- Die Familie erreichen können, ohne Handy. Wer ist wo? Wo trefft ihr euch, wenn niemand durchkommt? Das Familien-Codewort und ein fester Treffpunkt kosten nichts und sind im Ernstfall Gold wert.
- Nicht losrennen. Keine Hamsterkäufe, keine überstürzte Flucht, keine Gerüchte weiterleiten. Wer vorbereitet ist, muss in dieser Phase nichts hektisch tun.

Die erste Stunde eines Stromausfalls läuft übrigens immer gleich ab – egal, was die Ursache ist. Unsere Anleitung Stromausfall: die ersten 60 Minuten gilt hier genauso.
Die ersten Wochen
Wenn aus einem Schock ein längerer Zustand wird, verschieben sich die Probleme:
- Energie wird teurer und unsicherer. Schon die Eskalation im Nahen Osten hat den Ölpreis 2026 zeitweise über 100 Dollar getrieben. Ein Krieg in Europa würde Energiepreise und Versorgung deutlich stärker unter Druck setzen. Für Engpässe gibt es in allen drei Ländern gesetzliche Lenkungsinstrumente – das kann Einschränkungen bedeuten, zum Beispiel beim Treibstoff.
- Lieferketten werden störanfällig. Nicht jedes Regal wäre leer, aber einzelne Produkte fehlen, Lieferungen dauern länger, Preise schwanken.
- Zahlungssysteme können ausfallen. Kartenterminals und Bankomaten brauchen Strom und Netz. Bargeld in kleinen Scheinen ist dann kein Relikt, sondern ein Zahlungsweg.
- Die Psyche wird zur Belastung. Dauernde Unsicherheit, Nachrichten im Minutentakt, Kinder mit Fragen. Das BBK hat nicht zufällig einen Abschnitt zum Umgang mit Angst in seinen neuen Ratgeber aufgenommen.
Für diese Phase gilt: Wer zwei Wochen aus eigenen Vorräten leben kann, muss nicht in der ersten Unruhe einkaufen gehen – und entlastet damit auch alle anderen.
Deutschland, Österreich, Schweiz: nicht dieselbe Lage
Die meisten Texte zu diesem Thema betrachten nur Deutschland. Dabei ist die Ausgangslage in den drei Ländern sehr unterschiedlich.
Deutschland: NATO-Mitglied und Drehscheibe
Deutschland wäre als NATO-Mitglied direkt Konfliktpartei. Vor allem aber hätte es eine Rolle, die viele nicht kennen: Die Bundeswehr hat 2024 den „Operationsplan Deutschland" erstellt – ein über tausend Seiten starkes, eingestuftes Dokument. Darin ist Deutschland als Drehscheibe der NATO vorgesehen: Im Ernstfall sollen bis zu 800.000 alliierte Soldatinnen und Soldaten und rund 200.000 Fahrzeuge innerhalb von sechs Monaten durch Deutschland verlegt und versorgt werden.
Für den Alltag heißt das: Straßen, Schienen, Häfen und Flughäfen würden stark für militärische Transporte genutzt, und dafür braucht der Plan ausdrücklich auch zivile Unternehmen. Staus, Umleitungen und Einschränkungen im Güter- und Personenverkehr wären realistisch.
Dazu kommt der neue Wehrdienst: Seit Jänner 2026 bekommen alle 18-Jährigen einen Fragebogen zur Wehrerfassung, Männer müssen ihn beantworten. Ab 2027 wird die Musterung für Männer ab Jahrgang 2008 verpflichtend.
Österreich: neutral, aber mitten in Europa
Österreich ist neutral und kein NATO-Mitglied. Als EU-Mitglied gilt zwar die Beistandsklausel des EU-Vertrags (Artikel 42 Absatz 7) – durch die sogenannte „Irische Klausel" entscheidet Österreich aber selbst, in welcher Form es hilft. Das kann auch politische oder wirtschaftliche Unterstützung statt militärischer sein.
Neutral heißt aber nicht unberührt. Cyberangriffe, Energiepreise, Lieferketten und Desinformation machen an keiner Grenze halt. Und Österreichs Stromversorgung hängt in bestimmten Wetterlagen stark am europäischen Verbund – im Februar 2026 musste das Land bei Dunkelflaute deutlich mehr Strom importieren als im Vorjahr.
Der Zivilschutzverband Österreich empfiehlt einen Vorrat für mindestens 10 bis 14 Tage.
👉 Termin zum Vormerken: Am Samstag, 3. Oktober 2026, findet zwischen 12:00 und 12:45 Uhr der österreichweite Zivilschutz-Probealarm statt. Über 8.000 Sirenen werden getestet, zusätzlich wird AT-Alert landesweit über Cell Broadcast ausgelöst. Eine gute Gelegenheit, zu prüfen, ob dein Handy die Warnung auch wirklich anzeigt.
Schweiz: der am besten vorbereitete Staat der drei
Die Schweiz ist neutral und hat ein Zivilschutzsystem, von dem andere Länder nur träumen: Grundsatz ist ein Schutzplatz in der Nähe des Wohnorts für jede Einwohnerin und jeden Einwohner. Dazu kommen Notfalltreffpunkte, die in den meisten Kantonen festgelegt sind – Anlaufstellen, an denen man bei einem großen Ereignis Informationen bekommt und Notrufe absetzen kann, wenn Telefon und Internet ausgefallen sind.
Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung empfiehlt einen Notvorrat für etwa eine Woche, dazu 9 Liter Wasser pro Person und die wichtigsten Medikamente.
Sirenensignale: Was sie bedeuten
| Signal | Was du tust | |
|---|---|---|
| Deutschland | 1 Minute auf- und abschwellender Heulton | Gebäude aufsuchen, Fenster und Türen schließen, Radio oder Warn-App |
| 1 Minute Dauerton | Entwarnung | |
| Österreich | 3 Minuten Dauerton („Warnung") | Gefahr kommt näher – Aufenthalt im Freien beenden, ORF einschalten |
| 1 Minute auf- und abschwellend („Alarm") | Sofort schützende Räume aufsuchen, ORF einschalten | |
| 1 Minute Dauerton („Entwarnung") | Gefahr vorbei, weiter auf Durchsagen achten | |
| Schweiz | 1 Minute regelmäßig auf- und absteigend, nach 2 Minuten wiederholt („Allgemeiner Alarm") | Radio SRF oder Alertswiss, Anweisungen der Behörden befolgen |
Wichtig für Deutschland: Das BBK weist darauf hin, dass es nicht überall Sirenen gibt. Wer verlässlich gewarnt werden will, braucht einen zweiten Weg über das Handy.
Was du jetzt schon tun kannst
Das Gute an dieser Frage: Die Vorbereitung auf ein Kriegsszenario ist zu 90 Prozent dieselbe wie auf einen langen Blackout, einen großen Cyberangriff oder ein schweres Unwetter. Du musst nicht wissen, was kommt, um richtig vorbereitet zu sein.
Ebene 1 – Informiert und erreichbar (heute erledigt)
- Warn-App installieren und Cell Broadcast am Handy prüfen
- Ein Radio, das mit Batterien oder Kurbel läuft
- Familien-Treffpunkt und Codewort ausmachen
- Wichtige Telefonnummern auf Papier
Ebene 2 – Zwei Wochen aus eigener Kraft
- Vorrat an Lebensmitteln und Wasser: Vorrats-Checkliste für 14 Tage und Wasser richtig lagern
- Bargeld in kleinen Scheinen, halber Tank als Grundregel
- Licht und Strom für das Wichtigste: Welche Powerstation für den Blackout?
- Wärme, falls die Heizung ausfällt: Heizen ohne Strom – sicher
- Kommunikation ohne Mobilfunk: Funkgeräte für den Notfall
- Medikamente für mindestens zwei Wochen
Ebene 3 – Organisation für den Ernstfall
- Wichtige Dokumente gesammelt, als Kopie auch an einem zweiten Ort
- Ein gepackter Notfallrucksack für den Fall, dass ihr das Zuhause verlassen müsst
- In der Schweiz: wissen, wo dein Schutzplatz und dein Notfalltreffpunkt sind
- Mit Kindern altersgerecht reden – nicht verschweigen, nicht dramatisieren. Unsere Checkliste für Kinder im Krisenplan hilft dabei.
Wer das Ganze einmal strukturiert durchgehen will: Unser Ratgeber Der Familien-Krisenplan führt in 16 Schritten durch Wasser, Wärme, Licht und Sicherheit – ohne Panik.
Drei Anschaffungen, die in jedem Szenario helfen
Egal ob Blackout, Cyberangriff oder Krise: Diese drei Dinge decken die wichtigsten Lücken ab. Alle waren im September 2026 lieferbar.
Was du nicht tun solltest
- Nicht hamstern, wenn es losgeht. Vorräte legt man vorher an. In der ersten Unruhe kaufen, verschärft nur Engpässe.
- Nicht spontan fliehen. Ohne Ziel, ohne Plan und mit halbleerem Tank auf verstopften Straßen bist du schlechter dran als zu Hause.
- Nichts ungeprüft weiterleiten. Jede weitergeleitete Falschmeldung macht die Lage für alle schwieriger. Im Zweifel gilt nur, was von Behörden kommt.
- Nicht dauerhaft Nachrichten schauen. Einmal pro Stunde informieren reicht. Der Rest ist Angst, keine Information.
Fazit
Ein Krieg zwischen Russland und NATO ist nach heutiger Einschätzung nicht wahrscheinlich. Aber wer sich die Frage ehrlich stellt, landet bei einem beruhigenden Ergebnis: Die sinnvollste Vorbereitung ist unspektakulär. Informiert bleiben, zwei Wochen aus eigener Kraft auskommen, die Familie erreichen können, ruhig bleiben.
Das hilft bei jedem Szenario – und genau deshalb lohnt es sich unabhängig davon, ob es jemals so weit kommt.
Wie gut dein Haushalt schon vorbereitet ist, kannst du im Blackout-Stresstest „72 HOURS" in wenigen Minuten durchspielen.
Quellen
- BBK: Neuer BBK-Ratgeber gibt Orientierung in unsicheren Zeiten (13.10.2025)
- BBK: Sirenen – so werden Sie gewarnt
- Bundeswehr: Operationsplan Deutschland
- Bundesregierung: Fragen und Antworten zum Neuen Wehrdienst
- Europäisches Parlament: EU-Bündnisfall – rechtliche Grundlagen
- Zivilschutzverband Österreich: Bevorratung
- Stadt Wien: Zivilschutzsignale
- Zivilschutz-Probealarm 3. Oktober 2026: Bericht
- BABS Schweiz: Schutzräume · Notfalltreffpunkte · Sirenen
- BWL Schweiz: Kluger Rat – Notvorrat
- Wikipedia: Om krisen eller kriget kommer