Meshtastic für Familien: Nachrichten ohne Handynetz
Meshtastic verschickt Textnachrichten und Standort über lizenzfreie LoRa-Funkmodule, ganz ohne Handynetz. Was es kann, was nicht und wie eine Familie startet.
Auf einen Blick
Meshtastic macht aus kleinen, lizenzfreien Funkmodulen ein eigenes Nachrichtennetz: Textnachrichten und Standort gehen von Gerät zu Gerät, ohne Handynetz und ohne Internet. Für Familien ist es eine Ergänzung zum Funkgerät, kein Ersatz für Treffpunkt und Codewort.
Wenn das Handynetz ausfällt, bleiben die meisten Familien stumm. PMR-Funkgeräte lösen das für kurze Strecken, aber nur für den, der gerade zuhört. Meshtastic geht einen anderen Weg: Du schreibst wie gewohnt am Handy, verschickt wird die Nachricht aber über ein kleines Funkmodul in deiner Tasche. Diese Seite erklärt, was das kann, was nicht und wie eine Familie in einem Nachmittag damit startet.
Kurzfassung
- Was es ist: freie Software für günstige LoRa-Funkmodule. Die Module leiten Nachrichten untereinander weiter und bilden so ein Netz.
- Was es kann: Textnachrichten und Standort, verschlüsselt im eigenen Kanal.
- Was es nicht kann: sprechen, Notrufe absetzen, Bilder schicken.
- Lizenz: keine nötig, wenn das Gerät auf die Region EU_868 eingestellt ist.
- Wichtigste Einschränkung: Beide Seiten brauchen ein Funkmodul und ein geladenes Handy.
So funktioniert es
LoRa ist eine Funktechnik für kleine Datenmengen über große Entfernungen bei sehr wenig Stromverbrauch. Ein Meshtastic-Modul ist etwa so groß wie eine Streichholzschachtel und verbindet sich per Bluetooth mit der App auf deinem Handy. Du tippst eine Nachricht, das Modul sendet sie aus.
Der Unterschied zum Funkgerät: Jedes Modul, das die Nachricht empfängt, reicht sie weiter. Steht zwischen dir und deiner Familie ein dritter Knoten, etwa bei einem Nachbarn am Fensterbrett, kommt die Nachricht auch dann an, wenn ihr euch direkt nicht erreicht. Standardmäßig wird eine Nachricht bis zu drei Mal weitergereicht, maximal sieben Mal.
Was Meshtastic nicht ist
Die Technik wird in Foren oft größer gemacht, als sie ist. Vier Dinge solltest du vor dem Kauf wissen:
- Kein Notruf. Polizei, Rettung und Feuerwehr hören nicht mit. Für Hilfe von außen bleiben Telefon, Nachbarn und die Anlaufstellen deiner Gemeinde.
- Kein Sprechfunk. Wer unterwegs schnell etwas zurufen will, ist mit einem PMR-Gerät besser bedient.
- Die Reichweite schwankt stark. In dicht bebautem Gebiet sind es oft nur einige hundert Meter bis wenige Kilometer. Mit freier Sicht, etwa von Hügel zu Hügel, deutlich mehr. Der dokumentierte Rekord liegt bei 331 km, hat mit dem Alltag in der Siedlung aber nichts zu tun.
- Das Handy bleibt nötig. Ohne geladenes Smartphone kannst du bei den meisten Geräten weder lesen noch schreiben. Es gibt Modelle mit eigener Tastatur und Anzeige, die kosten aber mehr.
Meshtastic oder PMR-Funkgerät?
| PMR446-Funkgerät | Meshtastic | |
|---|---|---|
| Was geht | Sprechen | Textnachrichten, Standort |
| Lizenz | keine | keine |
| Bedienung | Taste drücken, sprechen | App am Handy, per Bluetooth mit dem Funkmodul verbunden |
| Reichweite | meist 1–3 km, direkt von Gerät zu Gerät | ähnlich je Sprung, aber andere Knoten reichen Nachrichten weiter |
| Mithören | jeder auf dem Kanal hört mit | eigener Kanal ist verschlüsselt |
| Für Kinder | ab Volksschulalter gut bedienbar | nur, wer ein Handy bedienen kann |
| Nachricht bleibt stehen | nein, wer nicht zuhört, verpasst sie | ja, sie steht in der App |
Für die meisten Familien ist die Reihenfolge klar: zuerst Treffpunkte und Codewort, dann ein Satz PMR-Funkgeräte, und Meshtastic erst danach für alle, die Freude an der Technik haben. Der Überblick über alle Ebenen steht in Krisenkommunikation für Familien.
Welche Geräte du brauchst
Du brauchst mindestens zwei Module, eines für jede Seite. Drei Bauarten sind verbreitet:
- Platinen zum Selbstbestücken (zum Beispiel das Heemol ESP32 LoRa V3*, baugleich zum verbreiteten Heltec V3): am günstigsten, mit kleiner Anzeige, aber ohne Akku. Ein Gehäuse gibt es passend dazu.
- Fertige Geräte für die Tasche (zum Beispiel der Elecrow ThinkNode M5*): Gehäuse, Akku, GPS und eine auch in der Sonne lesbare Anzeige eingebaut. Auspacken, mit der App koppeln, loslegen.
- Geräte mit Tastatur und Anzeige (zum Beispiel das LilyGo T-Deck Plus* in der Ausführung „868 MHz, Meshtastic Firmware“): funktionieren ohne Handy.
Achte beim Kauf auf die 868-MHz-Ausführung. Dieselben Geräte gibt es auch für 915 MHz, das ist das Band für Nordamerika und darf in Europa nicht verwendet werden.
Für die Basis zu Hause dazu: eine Powerbank mit 10.000 mAh, zum Beispiel die Anker Zolo 10.000 mAh*, hält ein Funkmodul mehrere Tage in Betrieb. Probier das vorher eine Nacht lang aus: Manche Powerbanks schalten sich bei sehr kleinem Verbrauch von selbst ab.
In fünf Schritten einrichten
- Software aufspielen. Viele Geräte kommen bereits mit Meshtastic. Sonst geht es über den Web-Flasher des Projekts im Browser, mit einem USB-Kabel.
- App installieren (Android oder iPhone) und das Modul per Bluetooth koppeln.
- Region auf EU_868 stellen. Das ist der wichtigste Schritt. Erst damit hält das Gerät Frequenz, Sendeleistung und Sendezeit ein, die in Europa erlaubt sind.
- Eigenen Kanal anlegen. Der voreingestellte Kanal ist öffentlich, dort kann jeder mitlesen. Lege einen privaten Kanal an und gib ihn per QR-Code an die Familie weiter.
- Testen. Eine Person bleibt zu Hause, die andere geht die Wege ab, die im Ernstfall zählen: zur Schule, zum Treffpunkt, zur Arbeit. Notiert, wo die Nachrichten noch ankommen.
Was erlaubt ist
Mit der Einstellung EU_868 sendet Meshtastic im Bereich 869,4 bis 869,65 MHz mit höchstens 27 dBm. Zusätzlich gilt eine Begrenzung der Sendezeit auf zehn Prozent pro Stunde. Die Software rechnet mit und hört auf zu senden, wenn die Grenze erreicht ist. Im normalen Familienbetrieb mit einigen Nachrichten am Tag kommst du nicht in die Nähe.
Was du nicht tun solltest: die Region auf ein anderes Land stellen, um mehr Leistung zu bekommen, oder Verstärker nachrüsten. Das ist nicht erlaubt und stört andere.
So nutzt ihr es als Familie
- Ein Modul bleibt zu Hause, möglichst hoch am Fenster und an einer Powerbank. Es ist eure Basis und reicht Nachrichten weiter.
- Je ein Modul für die Erwachsenen, am Schlüsselbund oder im Rucksack.
- Feste Kurznachrichten vereinbaren, zum Beispiel „Bin am Treffpunkt 2". Kurze Nachrichten kommen zuverlässiger an als lange.
- Zweimal im Jahr ausprobieren, am besten zusammen mit dem Rest eures Kommunikationsplans. Ein Gerät, das seit dem Kauf in der Lade liegt, hilft im Ernstfall niemandem.
Ein Modul mit GPS kann den Standort im Familienkanal teilen. Besprecht vorher, wer das will, und schaltet es nur im eigenen, verschlüsselten Kanal ein.
Und MeshCore?
MeshCore ist eine zweite freie Software für dieselben LoRa-Geräte. Sie unterscheidet zwischen Geräten für die Hosentasche (Companion), fest montierten Verstärkern an erhöhten Standorten (Repeater) und eigenständigen Geräten, die ohne Handy auskommen. Nachrichten sind von Ende zu Ende verschlüsselt.
Wichtig für die Entscheidung: Die beiden Systeme verstehen einander nicht. Ein Meshtastic-Gerät reicht keine MeshCore-Nachrichten weiter und umgekehrt. Schau deshalb zuerst, was in deiner Gegend schon läuft. Wo viele Knoten eines Systems stehen, kommt deine Nachricht weiter. Für den reinen Familienbetrieb mit zwei oder drei eigenen Geräten funktionieren beide.
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Häufige Fragen
Brauche ich für Meshtastic eine Funklizenz?
Nein. Mit der Regionseinstellung EU_868 und der mitgelieferten Antenne ist der Betrieb ohne Lizenz und ohne Anmeldung erlaubt.
Funktioniert das bei einem Stromausfall?
Ja, solange Modul und Handy Strom haben. Die Module brauchen sehr wenig und laufen an einer Powerbank tagelang. Das Handy ist der größere Verbraucher.
Können Fremde mitlesen?
Im voreingestellten öffentlichen Kanal ja. In einem eigenen Kanal sind die Nachrichten verschlüsselt. Fremde Knoten reichen sie weiter, können sie aber nicht lesen.
Lohnt sich das, wenn in meiner Gegend niemand mitmacht?
Für die Verbindung innerhalb der Familie ja, dann zählt nur die direkte Reichweite eurer eigenen Geräte. Das Weiterreichen über fremde Knoten ist ein Bonus, auf den du dich nicht verlassen solltest.
Weiterlesen
- Krisenkommunikation für Familien: Funk, Starlink, Notfall-Internet
- PMR, CB und Amateurfunk im Vergleich
- Funk bei Stromausfall: das Praxis-Setup
- Familien-Codewort und Treffpunkte
Quellen
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