Krisenkommunikation für Familien: Funk, Starlink, Notfall-Internet (DACH 2026)

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Krisenkommunikation für Familien: Funk, Starlink, Notfall-Internet (DACH 2026)

Auf einen Blick

Dieser Guide zeigt Familien in DACH, wie sie mit Funk (PMR, CB, Amateurfunk), Starlink und Notfall-Internet die Kommunikation bei Krisen aufrechterhalten. Inklusive Lagebild-Karten, Warnsysteme und praktischer Umsetzung.

Lesezeit12 Min
SchwierigkeitFortgeschritten
VorwissenGrundwissen zu Funk und Internet
Werkzeuge & Kosten50-2000 EUR
Umsetzungs-Aufwand1-3 Tage
SaisonGanzjährig
QuellenBBK|Eigene

In einer Krise fällt Mobilfunk oft zuerst aus — überlastet, stromabhängig, blackout-empfindlich. Wer dann noch kommunizieren will, braucht eine eigene Funk-Reserve. Diese Hub-Seite führt durch alle Schichten moderner DACH-Krisenkommunikation.

Warum eigene Kommunikations-Reserve wichtig ist

Im 24-72-h-Blackout-Szenario passiert mit Mobilfunk regelmäßig folgendes:

  • Stunde 0-2: Mobilfunk noch da, aber überlastet (alle telefonieren gleichzeitig).
  • Stunde 4-12: Erste Funkmast-Ausfälle (USV der Stationen leer). 2G/3G hat oft länger Reserve als 4G/5G.
  • Stunde 12-48: Großflächige Funklöcher. Notrufe gehen oft nicht mehr durch.
  • Stunde 48+: Nur noch isolierte Sender mit Netzersatz-Strom (Behörden, Kliniken).

Wer in dieser Zeit Familie koordinieren, Behörden-Lage hören und Hilfe holen will, braucht eine eigene Schicht — unabhängig vom Mobilfunknetz.

Ebene 1: Familie vor Ort — PMR446 (lizenzfrei)

PMR446 ist der lizenzfreie Funkstandard in ganz Europa: 8 Kanäle, 0,5 W Sendeleistung, real 1-3 km Reichweite (in Stadt weniger, auf freier Fläche bis 5 km). Reicht für die Familie auf einem Grundstück, im Sturm-Einsatz, beim Wandern, bei Festival-Trennung.

  • Midland G9 Pro (~80 €/Stück): solide Allround-Wahl, IP67 wasserdicht.
  • Motorola TLKR T82 (~70 €/2er-Set): günstig + zuverlässig.
  • Vorteil: sofort einsetzbar, keine Lizenz, keine Anmeldung, in ganz EU erlaubt.
  • Nachteil: nur kurze Reichweite, viele andere Nutzer auf den 8 Kanälen.

👉 Vertiefung: PMR, CB & Amateurfunk-Vergleich · Funk bei Stromausfall — Praxis-Setup

Ebene 2: Region — CB-Funk + Kurbelradio

CB-Funk (Citizen Band, 27 MHz): 40 Kanäle, 4 W AM / 12 W SSB, Reichweite bis 30 km (in Stadt 5-10 km). Lizenzfrei in ganz DACH. Mobile Stationen im Auto, fest installierte Heimstation mit Außenantenne.

Kurbelradio (Notfallradio): Pflicht in jedem Notfallset — empfängt UKW + DAB+ + (manche) Kurzwelle. Mit Kurbel oder Solar autark. Über UKW kommen Behörden-Notdurchsagen (Ö1, Deutschlandfunk, SRF-Notbetrieb).

  • Midland Alan 42 Multi (~150 €): CB-Mobilfunkgerät klassisch.
  • Eton FR1 oder Midland Kurbelradio (~50 €): UKW + DAB + Solar + Kurbel.

Ebene 3: Welt — Notfall-Internet

Wenn alle Stricke reißen und du echtes Daten-Internet brauchst (Email, Online-Banking, externe Hilfe-Anforderung): zwei Optionen.

  • Mobilfunk-Hotspot mit Reserve-SIM eines anderen Netzes. Falls dein Hauptnetz (z. B. Magenta) ausfällt, hast du mit einer A1- oder Drei-Reserve-SIM eine Chance. Kostet 5-10 €/Monat als Reserve.
  • Starlink (Satelliten-Internet von SpaceX): unabhängig von terrestrischer Infrastruktur. ~500 € Hardware + ~50 €/Monat — und es funktioniert auch dann, wenn der lokale Stromausfall den nächsten Funkmast totlegt (sofern du selbst Strom für die Antenne hast).

👉 Vertiefung: Starlink in der Krise — Notfall-Internet von oben · Krisenkommunikations-Plan für die Familie

Ebene 4: Profi — Amateurfunk (Lizenz)

Wer maximal vorbereitet sein will, holt sich die Amateurfunk-Lizenz (DE: Klasse E in 4 Wochen, AT: AÜR-Prüfung, CH: BAKOM-Prüfung). Damit darfst du HF/VHF/UHF mit hoher Leistung senden — globale Reichweite über Kurzwelle, eingespielte Notfunk-Netze (z. B. DARC NotFunk, ÖVSV-Notfunk).

👉 Vertiefung: Funkamateur-Klasse-E in 4 Wochen: Schritt für Schritt

Empfangs-Schicht: Offizielle Warnsysteme

Sender-Reserven sind nur die halbe Miete — auch Empfang offizieller Warnungen ist wichtig.

  • Deutschland: NINA-App, KATWARN, Cell-Broadcast (alle Smartphones automatisch), Deutschlandfunk UKW.
  • Österreich: AT-Alert (Cell Broadcast, automatisch), ORF-Notfall-Schaltung Ö1, Bundesheer-Warnungen.
  • Schweiz: AlertSwiss-App, ICARO-Cell-Broadcast, SRF-Notbetrieb.
  • DACH-übergreifend: EUMETNET/MeteoAlarm für Wetter — kostenfreie Daten in unser Live-Lagebild integriert.

🇦🇹🇨🇭 Besonderheiten in Österreich & Schweiz

🇦🇹 Österreich: Der ÖVSV (Österreichischer Versuchssenderverband) betreibt das Notfunk-Referat mit eingespielten Übungen — gute Anlaufstelle für Einsteiger. Die RTR nimmt die Amateurfunk-Prüfungen ab (Klasse 1/3/4). PMR + CB lizenzfrei wie in DE.

🇨🇭 Schweiz: BAKOM ist die Funk-Behörde, USKA der Dachverband der Funkamateure. Notfunk-Backbone der Behörden ist das Polycom-Netz (Tetra). Für Bürger gibt es K-Funk als komplementäres Notfunk-System.

Der empfohlene Pfad — wo du anfängst

  1. 4× PMR446-Funkgeräte für die Familie (~250 €). Festes Familien-Kanal vereinbaren, einmal monatlich testen.
  2. 1 Kurbelradio für UKW/DAB-Empfang von Behörden-Durchsagen (~50 €).
  3. Reserve-SIM eines anderen Anbieters (Aldi Talk, congstar, Lyca — 5-10 €/Monat als Prepaid).
  4. Warn-Apps installieren auf allen Familien-Smartphones (NINA + AT-Alert + AlertSwiss je nach Land).
  5. Optional Stufe 2: CB-Funk-Heimstation (~150 €) für regionale Kommunikation.
  6. Optional Stufe 3: Amateurfunk-Lizenz (Klasse E in 4 Wochen, ~150 € Prüfung + Equipment ab 200 €).

Häufige Fragen

Welches Funkgerät ist das beste für die Familie?

Für 95 % der Familien: PMR446-Geräte, da lizenzfrei, sofort einsatzbereit und in ganz EU erlaubt. Empfehlung: Midland G9 Pro (~80 €/Stück) oder Motorola TLKR T82 (~70 € als 2er-Set) — IP67 wasserdicht, gute Reichweite.

Brauche ich eine Lizenz für Funkgeräte?

PMR446 und CB-Funk: NEIN, lizenzfrei in ganz DACH. Amateurfunk: JA — Klasse-E-Prüfung in DE (BNetzA), Klasse 4 in AT (RTR), HB3-Prüfung in CH (BAKOM). Wer mehr als „nur reden" will (Notfunk-Netze, höhere Leistung, Kurzwelle), holt sich die Lizenz.

Wie weit reicht PMR446 wirklich?

Praxis: 1-3 km in Wohngebiet, 3-5 km auf freier Fläche, bis 10 km von Hügel zu Hügel mit Sichtverbindung. Hersteller-Angaben „bis 12 km" sind ideale Bedingungen — im Alltag ist die Reichweite deutlich geringer. Für Familie-im-Haus oder am Grundstück absolut ausreichend.

Für die meisten Familien nein — 50 €/Monat dauerhaft ist viel für eine reine Krisen-Reserve. Wer aber im ländlichen Raum eh kein gutes Festnetz hat oder mobil viel unterwegs ist (Wohnmobil, Boot), bekommt eine sehr gute Allzweck-Lösung. Hardware ~500 € einmalig.

Was tun, wenn weder Mobilfunk noch Internet funktionieren?

Kurbelradio einschalten → ORF Ö1 (AT), Deutschlandfunk (DE), SRF (CH) bringen offizielle Notfall-Durchsagen über UKW. PMR/CB-Funk für Familien-Koordination. Im echten Notfall: zur nächsten Polizei-/Feuerwache laufen — die haben Polycom/Tetra und sind erreichbar.

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Häufige Fragen

Welche Funkgeräte sind für Familien in DACH am besten geeignet?

PMR-Funkgeräte (446 MHz) sind lizenzfrei und günstig, aber nur für kurze Distanzen (bis 5 km). CB-Funk (27 MHz) reicht weiter (10-30 km) und ist ebenfalls lizenzfrei. Amateurfunk erfordert eine Prüfung, bietet aber globale Reichweite. Für Einsteiger empfehlen wir PMR, für Fortgeschrittene CB.

Ja, Starlink benötigt nur Strom für das Terminal. Mit einem Akku oder Generator kann es auch bei Stromausfall Internet bereitstellen. Allerdings ist es auf die Satellitenabdeckung angewiesen und kann bei Extremwetter oder Überlastung ausfallen. Für Familien in ländlichen Gebieten eine gute Ergänzung.

Wie erstelle ich ein Lagebild für meine Familie?

Nutze eine Offline-Karte (z.B. OSMAnd auf dem Smartphone) und markiere Treffpunkte, Fluchtwege, Notfallkontakte und Ressourcen (Wasser, Apotheken). Teile die Karte digital oder als Ausdruck. Aktualisiere sie regelmäßig und besprich sie mit der Familie.

Welche Warnsysteme sollte ich in DACH kennen?

In Deutschland: NINA (Notfall-Informations- und Nachrichten-App), Katwarn und WarnWetter. In Österreich: KATWARN und die App der ZAMG. In der Schweiz: Alertswiss. Alle senden Push-Benachrichtigungen bei Gefahren. Zusätzlich Sirenen und Rundfunkdurchsagen.

Zuletzt aktualisiert: 2026-06-01 · Autor: Florian Neuhuber